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Therapie mit Assistenzhunden

Die Soziotherapie

Die Soziotherapie stellt eine lebenspraktische Anleitung für schwer psychisch kranke Menschen zur selbstständigen Nutzung ärztlich verordneter, sozialer und therapeutischer Angebote innerhalb der gemeindenahen psychiatrischen Versorgung dar. Die Idee ist es, sich den besonderen Problembereichen dieser Patientengruppe wie z.B. Kontaktstörungen, dem Verlust sozialer Bezüge, der reduzierten Fähigkeit, den Lebensalltag eigenständig zu bewältigen sowie der Einschränkung der Erwerbsfähigkeit anzunehmen. Die Soziotherapie will die gesunden Ressourcen des Patienten aktivieren und ihn zur Selbsthilfe anregen, d.h. ihn in möglichst kurzer Zeit befähigen, von fremder Hilfe unabhängig zu werden. Die soziotherapeutische Betreuung ist kein eigenständiges psychotherapeutisches Konzept, sondern sie übernimmt eine Brücken- bzw. Verteilerfunktion im ambulanten Bereich, indem sie den Patienten an für ihn angemessene Angebote heranführt. Ziel der Soziotherapie ist es, den Übergang von der medizinischen Behandlung zur gesellschaftlichen Wiedereingliederung (sozialen Reintegration) zu erleichtern sowie durch die direkte Zuführung zu geeigneten Behandlungsformen den Patienten optimal ambulant zu versorgen. Dabei geht es auch darum, dem Patienten ein Leben außerhalb von psychiatrischen Einrichtungen zu ermöglichen und einen Klinikaufenthalt zu vermeiden bzw. zu verkürzen. Einsatzbereiche von Soziotherapie Soziotherapie stellt einen individuell an die Belange des Patienten angepassten Hilfeansatz dar. Die Soziotherapie greift bei Patienten mit Psychosen oder psychoseähnlichen Zuständen wie z.B. einer bipolaren Störung. Eine Soziotherapie ist in diesen Fällen dann angezeigt (Indikation), wenn Kontaktstörungen bestehen, der Patient nicht mehr in der Lage ist, soziale Beziehungen zu pflegen, der Lebensalltag nicht mehr eigenständig zu bewältigen ist und der Patient beispielsweise keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen kann, Störungen des Antriebs, der Ausdauer und *der Belastbarkeit bestehen, das planerische Denken und Handeln eingeschränkt ist, der Realitätsbezug verloren gegangen ist, die kognitiven (das Denken betreffende) Fähigkeiten gestört sind, die Kommunikation nur sehr eingeschränkt möglich ist und eine mangelnde Krankheitseinsicht besteht, die dazu führt, dass auch keine Bereitschaft mehr vorhanden ist, an anderen therapeutischen Maßnahmen (z.B. Ergotherapie) mitzuwirken. In der Praxis wird Soziotherapie vor allem bei Patienten verordnet, deren Krankheitsverlauf schwer und chronifizierend ist und bei denen bereits mehrfache stationäre Aufenthalte notwendig gewesen sind. Erfüllt der Betroffene die Voraussetzungen für eine Soziotherapie, klärt der behandelnde Nervenarzt/Psychiater den Patienten – tlw. nach Überweisung vom Hausarzt – zunächst über die Möglichkeit und den Nutzen einer Soziotherapie auf. Der Arzt führt dann zusammen mit einem erfahrenen Soziotherapeuten (Sozialarbeiter, Sozialpädagogen oder psychiatrisch geschulte Krankenpflegekraft) ein weiteres Gespräch mit dem Patienten, indem der Betroffene ausführlich über die Inhalte und Ziele einer Soziotherapie informiert wird. Nach enger Absprache des Nervenarztes/ Psychiaters mit dem Soziotherapeuten wird in einem weiteren Schritt ein gemeinsamer, individuell angepasster, soziotherapeutischer Betreuungsplan erstellt, der von allen Beteiligten (Patient, Nervenarzt/Psychiater und Soziotherapeut) unterschrieben wird. Alle Ziele und Inhalte der Soziotherapie werden zeitnah abgesprochen. Der letzte Schritt umfasst die Dokumentation und Koordination der verordneten Leistungen, zu denen im Rahmen des soziotherapeutischen Betreuungsplans der Patient hingeführt werden soll. Die fachärztliche Behandlung, medikamentöse Versorgung und (sozio)therapeutische Hilfen sind eng strukturiert. Der Soziotherapeut und behandelnde Arzt befinden sich daher die ganze Zeit über in einem fortwährenden, regen Austausch. Art und Dauer der Soziotherapie richten sich nach dem Krankheitsbild und seiner Schwere. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen eine Therapie von max. 120 Stunden in 3 Jahren. Der Patient muss vorab informiert werden, dass es sich hier um eine zeitlich begrenzte Maßnahme handelt, die seine Mitarbeit erfordert. Nach Ablauf der 120 Stunden soll der Patient zur selbstständigen Nutzung des Sozialangebotes fähig sein. Die Stellung eines Verlängerungsantrags ist in Ausnahmefällen möglich. Inhalte und Module von Soziotherapie Basis der Soziotherapie ist das Gespräch über die Krankheit, die aktuelle soziale Situation, die Probleme und die Ängste des Patienten. Hierzu gehört u.a. den Betroffenen umfassend über seine Erkrankung aufzuklären. Er muss lernen, Krankheitsanzeichen - vor allem Frühsymptome einer wiederkehrenden psychotischen Episode - als solche zu erkennen und mit ihren Auswirkungen umzugehen (Psychoedukation). Darüber hinaus zählen folgende Punkte zu den wichtigsten Inhalten und Modulen eines soziotherapeutischen Betreuungsplans, die alle auf die jeweilige Situation und Verfassung des Patienten abgestimmt werden: Beratung in Konflikt- und Krisensituationen Im Vordergrund steht hier die Herstellung eines Realitätsbezugs, der Patient muss seine eigenen Möglichkeiten (Ressourcen) und Defizite erkennen und nicht seine „unverständige Umwelt“ für Probleme verantwortlich machen. Der Soziotherapeut leitet ihn zur Korrektur seines Fehlverhaltens an. Stärkung der Eigenkompetenz Der Soziotherapeut vermittelt dem Patienten im Akutfall Krankenpflegedienste bzw. ambulant psychiatrische Pflege (APP) zur Unterstützung der Eigensorge. Hierzu gehören u.a. Anleitung zur täglichen Körperhygiene, Erlernen der ordnungsgemäßen Einnahme von Medikamenten und die Erkennung eines Selbstgefährdungspotenzials. Die Hilfestellung findet im Lebensumfeld des Patienten statt. Motivierung zur Nutzung der ärztlichen Versorgung   Der Soziotherapeut zeigt dem Patienten die Wichtigkeit einer konsequenten Behandlung auf und motiviert ihn so speziell zur Medikamenten- einnahme und zu regelmäßigen Arztbesuchen. Dank der umfassenden Aufklärung gewinnt der Patient Vertrauen in die ärztlich verordneten Maßnahmen und nimmt sie an, damit wird die so genannte Compliance („Akzeptanz“) der Therapie erhöht. Zusammenarbeit mit verschiedenen Leistungsträgern Auf sozial-administrativer Ebene arbeitet der Soziotherapeut mit verschiedenen Leistungsträgern (z.B. Arbeitsamt, Rentenstelle, Sozialhilfeträgern, Gesundheitsamt) zusammen, um den Leistungsanspruch des Patienten im Sinne eines „Care-Managements“ zu ermitteln. Hilfestellung bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche  Hierbei geht es in erster Linie um die Beratung und Vermittlung zu betreuten Wohnformen, speziell "betreutes Einzelwohnen". Das bedeutet, dass der Betroffene allein in der eigenen Wohnung lebt, aber hinsichtlich so genannter sozialer Grundleistungsfunktionen unterstützt wird. Hierzu gehören u.a. eine Tagesstrukturierung und -gestaltung, die Förderung von Selbstständigkeit und lebenspraktischer Kompetenz sowie die Ausbildung einer Kommunikationsfähigkeit. Weiter werden zusammen mit dem Soziotherapeuten  Überlegungen angestellt, welche Schritte notwendig  sind, damit der Patient seine Arbeit wieder stufenweise aufnehmen kann. Hierbei wird eng mit den Integrationsfachdiensten zusammengearbeitet. Ist der Patient hierzu (noch) nicht in der Lage, kommt die „beschützende Werkstatt für psychisch Behinderte“ in Frage. Dabei wird generell versucht, die Integration in die Gesellschaft und die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben über eine möglichst vertraute Umgebung zu erreichen. Vermittlung von Ergotherapie Im medizinisch-therapeutischen Bereich gilt die Koordination ergotherapeutischer Maßnahmen als wichtiges Element der Soziotherapie. Die Ergotherapie kann in einzel- oder gruppentherapeutischen Angeboten helfen, mittels ausgewählter spielerischer, handwerklicher und gestalterischer Aktivitäten Alltagsfähigkeiten zu erhalten bzw. wiederzuerlangen. Sie fördert eine Stärkung der Selbstkompetenz, des Antriebs und der Motivation. Förderung von sozialen Kontakten Der Soziotherapeut bietet dem Patienten zur Förderung des sozialen Lebens – abhängig von den jeweiligen Angeboten des örtlichen gemeinde-psychiatrischen Verbundes –Adressen von offiziellen Kontakt- und Beratungsstellen der sozial-psychiatrischen Zentren (SPZ) sowie Kontakte zu Selbsthilfe- und Freizeitgruppen an. Motivierung zu Freizeitaktivitäten Bei sozialen und funktionellen Beeinträchtigungen kann der Soziotherapeut den Patienten an verschiedene Freizeitangebote (z.B. Sport, Kulturereignisse) heranführen. Gerade Rehabilitations-Sport verhilft dem Patienten zu einem angemessenen körperlichen und seelischen Ausgleich. Information der Familie über Möglichkeiten der Angehörigenarbeit Der Soziotherapeut kann die Angehörigen in die Therapie einbeziehen und ihnen z.B. regionale Kontakte zu Angehörigengruppen psychisch kranker Menschen vermitteln. Angehörigenarbeit dient dazu, die Familie über die psychische Erkrankung des Patienten zu informieren, und leistet Hilfestellung bei Problemen und Konflikten im Umgang mit dem Patienten und seiner Erkrankung. Ziel dabei ist nicht nur, die Angehörigen zu entlasten, sondern möglichst auch die Rückfallquote bei der psychischen Erkrankung zu minimieren und ein Krankheitsverständnis zu erlangen. Geschichte der Soziotherapie Kliniken für psychisch Kranke, die sich in der Regel weit ab von Städten befanden, hatten in der Vergangenheit zunächst lediglich eine Verwahrungsfunktion, wirksame Therapien gab es praktisch keine. Man nahm an, die ruhige, ländliche Unterbringung und die Entfernung zur krank machenden Umgebung würden sich als therapeutisch wertvoll erweisen. Nach dem Vorbild der englischen „Mental-Health-Bewegung“ befürwortete man hierzulande in den 20er Jahren die Idee der „offenen Irrenfürsorge“. Diese Idee und ihre Realisierung wurde vom Nationalsozialismus massiv verdrängt – psychiatrische Einrichtungen gewannen danach erst langsam wieder an Boden. Mitte der 70er Jahre wurde die Frage nach der psychiatrischen Versorgung zunehmend auf politischem Terrain diskutiert. Das Ergebnis: Die Psychiatrie-Enquête, eine Expertenkommission des Dt. Bundestages, sprach sich für eine bessere personelle Besetzung in psychiatrischen Kliniken aus und ließ gemeindepsychiatrische Versorgungsnetzwerke über Jahre erproben. Die Expertenkommission hat schon 1988 die charakteristischen Problembereiche chronisch psychisch Kranker dargelegt. Daraufhin wurde 1989 durch das Gesundheitsreformgesetz festgelegt, dass dem besonderen Bedürfnis psychisch Kranker Rechnung zu tragen sei, insbesondere bei der Versorgung mit medizinischer Rehabilitation. Doch erst im Januar 2000 kam es zur Verankerung der Soziotherapie im Sozialgesetzbuch (§ 37 a SGB V), die diesem Anspruch einer entsprechenden Versorgung im ambulanten Bereich gerecht wird. Dieser Einführung war ein Modellprojekt über vier Jahre vorausgegangen, das die Wirksamkeit soziotherapeutischer Maßnahmen aufgezeigt hatte. Wie Soziotherapie heute auszusehen hat, regeln die so genannten Soziotherapie-Richtlinien, festgelegt vom Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen, im August 2001 verabschiedet.
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Die Soziotherapie

Die Soziotherapie stellt eine lebenspraktische Anleitung für schwer psychisch kranke Menschen zur selbstständigen Nutzung ärztlich verordneter, sozialer und therapeutischer Angebote innerhalb der gemeindenahen psychiatrischen Versorgung dar. Die Idee ist es, sich den besonderen Problem- bereichen dieser Patientengruppe wie z.B. Kontaktstörungen, dem Verlust sozialer Bezüge, der reduzierten Fähigkeit, den Lebensalltag eigenständig zu bewältigen sowie der Einschränkung der Erwerbsfähigkeit anzunehmen. Die Soziotherapie will die gesunden Ressourcen des Patienten aktivieren und ihn zur Selbsthilfe anregen, d.h. ihn in möglichst kurzer Zeit befähigen, von fremder Hilfe unabhängig zu werden. Die soziotherapeutische Betreuung ist kein eigenständiges psychotherapeutisches Konzept, sondern sie übernimmt eine Brücken- bzw. Verteilerfunktion im ambulanten Bereich, indem sie den Patienten an für ihn angemessene Angebote heranführt. Ziel der Soziotherapie ist es, den Übergang von der medizinischen Behandlung zur gesellschaft- lichen Wiedereingliederung (sozialen Reintegration) zu erleichtern sowie durch die direkte Zuführung zu geeigneten Behandlungsformen den Patienten optimal ambulant zu versorgen. Dabei geht es auch darum, dem Patienten ein Leben außerhalb von psychiatrischen Einrichtungen zu ermöglichen und einen Klinikaufenthalt zu vermeiden bzw. zu verkürzen. Einsatzbereiche von Soziotherapie Soziotherapie stellt einen individuell an die Belange des Patienten angepassten Hilfeansatz dar. Die Soziotherapie greift bei Patienten mit Psychosen oder psychoseähnlichen Zuständen wie z.B. einer bipolaren Störung. Eine Soziotherapie ist in diesen Fällen dann angezeigt (Indikation), wenn Kontaktstörungen bestehen, der Patient nicht mehr in der Lage ist, soziale Beziehungen zu pflegen, der Lebensalltag nicht mehr eigenständig zu bewältigen ist und der Patient beispielsweise keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen kann, Störungen des Antriebs, der Ausdauer und der Belastbarkeit bestehen, das planerische Denken und Handeln ein- geschränkt ist, der Realitätsbezug verloren gegangen ist, die kognitiven (das Denken betreffende) Fähigkeiten gestört sind, die Kommunikation nur sehr eingeschränkt möglich ist und eine mangelnde Krankheitseinsicht besteht, die dazu führt, dass auch keine Bereitschaft mehr vorhanden ist, an anderen therapeutischen Maßnahmen (z.B. Ergotherapie) mitzuwirken. In der Praxis wird Soziotherapie vor allem bei Patienten verordnet, deren Krankheitsverlauf schwer und chronifizierend ist und bei denen bereits mehrfache stationäre Aufenthalte notwendig gewesen sind. Erfüllt der Betroffene die Voraussetzungen für eine Soziotherapie, klärt der behandelnde Nervenarzt/Psychiater den Patienten – tlw. nach Überweisung vom Hausarzt – zunächst über die Möglichkeit und den Nutzen einer Soziotherapie auf. Der Arzt führt dann zusammen mit einem erfahrenen Soziotherapeuten (Sozialarbeiter, Sozialpädagogen oder psychiatrisch geschulte Krankenpflegekraft) ein weiteres Gespräch mit dem Patienten, indem der Betroffene ausführlich über die Inhalte und Ziele einer Soziotherapie informiert wird. Nach enger Absprache des Nervenarztes/ Psychiaters mit dem Soziotherapeuten wird in einem weiteren Schritt ein gemeinsamer, individuell angepasster, soziotherapeutischer Betreuungsplan erstellt, der von allen Beteiligten (Patient, Nervenarzt/Psychiater und Soziotherapeut) unterschrieben wird. Alle Ziele und Inhalte der Soziotherapie werden zeitnah abgesprochen. Der letzte Schritt umfasst die Dokumentation und Koordination der verordneten Leistungen, zu denen im Rahmen des soziotherapeutischen Betreuungsplans der Patient hingeführt werden soll. Die fachärztliche Behandlung, medikamentöse Versorgung und (sozio)therapeutische Hilfen sind eng strukturiert. Der Soziotherapeut und behandelnde Arzt befinden sich daher die ganze Zeit über in einem fortwährenden, regen Austausch. Art und Dauer der Soziotherapie richten sich nach dem Krankheitsbild und seiner Schwere. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen eine Therapie von max. 120 Stunden in 3 Jahren. Der Patient muss vorab informiert werden, dass es sich hier um eine zeitlich begrenzte Maßnahme handelt, die seine Mitarbeit erfordert. Nach Ablauf der 120 Stunden soll der Patient zur selbstständigen Nutzung des Sozialangebotes fähig sein. Die Stellung eines Verlängerungsantrags ist in Ausnahmefällen möglich. Inhalte und Module von Soziotherapie Basis der Soziotherapie ist das Gespräch über die Krankheit, die aktuelle soziale Situation, die Probleme und die Ängste des Patienten. Hierzu gehört u.a. den Betroffenen umfassend über seine Erkrankung aufzuklären. Er muss lernen, Krankheitsanzeichen - vor allem Frühsymptome einer wiederkehrenden psychotischen Episode - als solche zu erkennen und mit ihren Auswirkungen umzugehen (Psychoedukation). Darüber hinaus zählen folgende Punkte zu den wichtigsten Inhalten und Modulen eines soziotherapeutischen Betreuungsplans, die alle auf die jeweilige Situation und Verfassung des Patienten abgestimmt werden: Beratung in Konflikt- und Krisensituationen Im Vordergrund steht hier die Herstellung eines Realitätsbezugs, der Patient muss seine eigenen Möglichkeiten (Ressourcen) und Defizite erkennen und nicht seine „unverständige Umwelt“ für Probleme verantwortlich machen. Der Soziotherapeut leitet ihn zur Korrektur seines Fehlverhaltens an. Stärkung der Eigenkompetenz Der Soziotherapeut vermittelt dem Patienten im Akutfall Krankenpflegedienste bzw. ambulant psychiatrische Pflege (APP) zur Unterstützung der Eigensorge. Hierzu gehören u.a. Anleitung zur täglichen Körperhygiene, Erlernen der ordnungsgemäßen Einnahme von Medikamenten und die Erkennung eines Selbstgefährdungs- potenzials. Die Hilfestellung findet im Lebensumfeld des Patienten statt. Motivierung zur Nutzung der ärztlichen Versorgung   Der Soziotherapeut zeigt dem Patienten die Wichtigkeit einer konsequenten Behandlung auf und motiviert ihn so speziell zur Medikamenten- einnahme und zu regelmäßigen Arztbesuchen. Dank der umfassenden Aufklärung gewinnt der Patient Vertrauen in die ärztlich verordneten Maßnahmen und nimmt sie an, damit wird die so genannte Compliance („Akzeptanz“) der Therapie erhöht. Zusammenarbeit mit verschiedenen Leistungsträgern Auf sozial-administrativer Ebene arbeitet der Soziotherapeut mit verschiedenen Leistungsträgern (z.B. Arbeitsamt, Rentenstelle, Sozialhilfeträgern, Gesundheitsamt) zusammen, um den Leistungs- anspruch des Patienten im Sinne eines „Care-Managements“ zu ermitteln. Hilfestellung bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche  Hierbei geht es in erster Linie um die Beratung und Vermittlung zu betreuten Wohnformen, speziell "betreutes Einzelwohnen". Das bedeutet, dass der Betroffene allein in der eigenen Wohnung lebt, aber hinsichtlich so genannter sozialer Grundleistungsfunktionen unterstützt wird. Hierzu gehören u.a. eine Tages- strukturierung und -gestaltung, die Förderung von Selbstständigkeit und lebenspraktischer Kompetenz sowie die Ausbildung einer Kommunikationsfähigkeit. Weiter werden zusammen mit dem Sozio- therapeuten  Überlegungen angestellt, welche Schritte notwendig  sind, damit der Patient seine Arbeit wieder stufenweise aufnehmen kann. Hierbei wird eng mit den Integrationsfachdiensten zusammengearbeitet. Ist der Patient hierzu (noch) nicht in der Lage, kommt die „beschützende Werkstatt für psychisch Behinderte“ in Frage. Dabei wird generell versucht, die Integration in die Gesellschaft und die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben über eine möglichst vertraute Umgebung zu erreichen. Vermittlung von Ergotherapie Im medizinisch-therapeutischen Bereich gilt die Koordination ergotherapeutischer Maßnahmen als wichtiges Element der Soziotherapie. Die Ergotherapie kann in einzel- oder gruppen- therapeutischen Angeboten helfen, mittels ausgewählter spielerischer, handwerklicher und gestalterischer Aktivitäten Alltagsfähigkeiten zu erhalten bzw. wiederzuerlangen. Sie fördert eine Stärkung der Selbstkompetenz, des Antriebs und der Motivation. Förderung von sozialen Kontakten Der Soziotherapeut bietet dem Patienten zur Förderung des sozialen Lebens – abhängig von den jeweiligen Angeboten des örtlichen gemeinde-psychiatrischen Verbundes –Adressen von offiziellen Kontakt- und Beratungsstellen der sozial-psychiatrischen Zentren (SPZ) sowie Kontakte zu Selbsthilfe- und Freizeitgruppen an. Motivierung zu Freizeitaktivitäten Bei sozialen und funktionellen Beeinträchtigungen kann der Soziotherapeut den Patienten an verschiedene Freizeitangebote (z.B. Sport, Kulturereignisse) heranführen. Gerade Rehabilitations-Sport verhilft dem Patienten zu einem angemessenen körperlichen und seelischen Ausgleich. Information der Familie über Möglichkeiten der Angehörigenarbeit Der Soziotherapeut kann die Angehörigen in die Therapie einbeziehen und ihnen z.B. regionale Kontakte zu Angehörigengruppen psychisch kranker Menschen vermitteln. Angehörigenarbeit dient dazu, die Familie über die psychische Erkrankung des Patienten zu informieren, und leistet Hilfestellung bei Problemen und Konflikten im Umgang mit dem Patienten und seiner Erkrankung. Ziel dabei ist nicht nur, die Angehörigen zu entlasten, sondern möglichst auch die Rückfall- quote bei der psychischen Erkrankung zu minimieren und ein Krankheitsverständnis zu erlangen. Geschichte der Soziotherapie Kliniken für psychisch Kranke, die sich in der Regel weit ab von Städten befanden, hatten in der Vergangenheit zunächst lediglich eine Verwahrungsfunktion, wirksame Therapien gab es praktisch keine. Man nahm an, die ruhige, ländliche Unterbringung und die Entfernung zur krank machenden Umgebung würden sich als therapeutisch wertvoll erweisen. Nach dem Vorbild der englischen „Mental-Health-Bewegung“ befürwortete man hierzulande in den 20er Jahren die Idee der „offenen Irrenfürsorge“. Diese Idee und ihre Realisierung wurde vom National- sozialismus massiv verdrängt – psychiatrische Einrichtungen gewannen danach erst langsam wieder an Boden. Mitte der 70er Jahre wurde die Frage nach der psychiatrischen Versorgung zunehmend auf politischem Terrain diskutiert. Das Ergebnis: Die Psychiatrie-Enquête, eine Expertenkommission des Dt. Bundestages, sprach sich für eine bessere personelle Besetzung in psychiatrischen Kliniken aus und ließ gemeindepsychiatrische Versorgungsnetzwerke über Jahre erproben. Die Expertenkommission hat schon 1988 die charakteristischen Problembereiche chronisch psychisch Kranker dargelegt. Daraufhin wurde 1989 durch das Gesundheits- reformgesetz festgelegt, dass dem besonderen Bedürfnis psychisch Kranker Rechnung zu tragen sei, insbesondere bei der Versorgung mit medizinischer Rehabilitation. Doch erst im Januar 2000 kam es zur Verankerung der Soziotherapie im Sozialgesetzbuch (§ 37 a SGB V), die diesem Anspruch einer entsprechenden Versorgung im ambulanten Bereich gerecht wird. Dieser Einführung war ein Modellprojekt über vier Jahre vorausgegangen, das die Wirksamkeit sozio- therapeutischer Maßnahmen aufgezeigt hatte. Wie Soziotherapie heute auszusehen hat, regeln die so genannten Soziotherapie-Richtlinien, festgelegt vom Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen, im August 2001 verabschiedet.